Scrum Lego City mit eigenen Anforderungen

Die Wirkung der agilen Werte (agilemanifesto.org) und der von Scrum (Selbstverpflichtung, Fokus, Offenheit, Respekt und Mut) muss man spüren, um ihre Kraft zu erahnen. Darum beinhaltet jedes gute Scrum Training oder auch eine Einführung mindestens eine wirksame Simulation. Im Alltag bedeutet das die ersten Antworten darauf, wie werden wir zum Team und wie verbessern wir uns konsequent bis zur Hochleistung?

Eine bekanntere Variante ist ‚Scrum Lego City‘ (von agile42 unter Creative Commons Lizenz gestellt), das wir auf dem Technologietag 2016 der Lufthansa Industry Solutions mit eigenen Anforderungen zur ‚Future Mobility‘.

Wir testeten ein Kurzformat, das ich für einen Tages-Workshop nutzen möchte: reduziert auf zwei Stunden mit drei 18-minütigen ‚Sprints‘, unserer eigenen „Produkt-Vision“ samt „User Stories“ (Anforderungen), kamen die Kollegen in zwei Teams mächtig ins Schwitzen und hatten vor allem viel Spaß miteinander. Mit Spaß geht die Arbeit nunmal leichter von der Hand….

Vielen wurde dabei deutlich, wie wichtig v.a. Spaß und die direkte, offene und respektvolle Kommunikation mit sämtlichen Mitgliedern des Scrum Teams ist und nahmen sich vor, in ihrem Projektalltag, auch dem noch nicht ganz agilen, dafür zu sorgen, dass alle Beteiligten in so kurzweiliger Art über das Wesentliche reden und noch besser kooperieren.

Da wir überraschend gut voran kamen, beschlossen die beiden ‚Product Owner‘ (PO) und ich spontan, die beiden Teams vor die Herausforderung zu stellen, ihre Produkte, ein Dorf und zwei Städte, mit Infrastruktur zu verbinden … Wir liessen bewußt offen, ob z.B. eine Brücke von Pfeiffenputzern zwischen die Tische gebaut werden könnte, ob man ein „Flugbrücke“ mit Lego zwischen die Orte auf den Tischen baut oder ob die Teams ihre Tische zusammenschieben, um gemeinsam eine verbindende Strasse zu bauen. Die Teams schicken ihre Scrum Master als Abgesandte los und man verständigte sich auf die Tische-und-Teams-zusammenlegen-Variante.

Da gern alle direkt beim Lego-Bau dabei sein wollten, verzichteten wir diesmal auf die sonst sehr bewährten (und sehr empfehlenswerten!) unbeteiligten Beobachter. Insbesondere wenn man zwei Teams am Start hat und das unterschiedliche Zusammenspiel im direkten Vergleich vor Augen hat, ist es spannend, diese Beobachtungen in die anschließende Verbesserungsrunde (Session Retrospektive) einbringen zu können.

Einer der vorab ‚akquirierten Product Owner war vor der Session sehr skeptisch, dass die Teams mehr als eine Anforderung pro Team umgesetzt bekämen und war umso überraschter, dass nahezu das gesamte Backlog abgearbeitet wurde. Es gab jedoch große Unterschiede zwischen den beiden gleichgroßen Teams: dort, wo der Product Owner sich ungefragt in die Arbeitsweise einmischte, wurde deutlich weniger an Inhalt abgearbeitet.

Deutlich wurde allen, wie effektiv man bei der Umsetzung wird, wenn sich alle zusammen vom strengen Zeitmanagement (‚Timeboxing‘) auf das Wesentliche fokussieren lassen und unausgesprochen gilt: „Form follows function.“

Ablauf

Nach einer kurzen Einführung zum Sinn des Spiels (und der Versicherung, dass nahezu alle Beteiligten in die Theorie von Scrum eingeweiht waren und die bekennenden Praktiker als Scrum Master berufen wurden) stellte einer der Product Owner unsere Product Vision vor. Dafür hatte ich, wie agile42 vorschlägt, 5 Minuten veranschlagt. Das reichte vollkommen, um auch einmal kurz durch das schon aufgehängte Backlog zu gehen.

Auf eine Release-Planung hatte ich aus Zeitgründen verzichtet und war gespannt, ob die Teams selbst darauf bestehen würden … Taten sie nicht. Und so wurden gleich mit den ersten Stories die Lego City Creative Boxen auseinander gepflückt, die ich im Vorfeld so sorgsam ausgewählt zu haben glaubte. Hätte man die Folge-Stories genauer angeschaut, wäre deutlich geworden, dass ihnen die Lego-Boxen samt Anleitungen in etwa entsprochen hätten. Egal. Es machte einfach allen sehr viel Spaß heute.

Eine Teilnehmerin: „Als Product Owner eines Lego-Teams war ich positiv überrascht, wie gut die Zusammenarbeit mit dem Scrum Master und dem Bauteam funktionierte und wie gut sie meinen Input auch in kritischen Situationen umzusetzen wussten. Der dritte Sprint war für mich eine Offenbarung, weil ich unter den engen Rahmenbedingungen nicht mit einer Steigerung der Velocity (Durchsatz) um +30% gerechnet hätte; dank Scrum Master und dem sehr engagierten Team ist das Ergebnis überragend gewesen.“

Auf meine Frage, was jeder Einzelne für sich mit in den Alltag nehmen wird, wurde von mehreren Teilnehmern „direkte Kommunikation“ mit den Beteiligten genannt und die enorme Effektivität, die durch das starke Fokussieren auf den Kundenbedarf freigesetzt wird.

Mission erfüllt.

(Der Upload unserer Stories wird noch etwas auf sich warten lassen. Sie sind wieder in Überarbeitung.)

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Link: Die Gen Y steckt in der falschen Schublade

Eine schöne Charakterisierung zur Generation der heute 20 bis 30-Jährigen im Blog „GENERATION WHY“ mit Artikeln zu „Ansprüche der heute 20- bis 30-Jährigen an Arbeitswelt und Führungskultur“

http://generation-why.org/2014/01/06/gen-y-schublade-mit-mehreren-fachern/#more-35

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Link: Deming’s 14 Key Principles

Link of the day: W. Edwards Deming (1900 – 1993) well known für the ‚Deming Circle‘ oder ‚Plan-Do-Check-Act Cycle‚, that he actually credited to his professor Walter A. Shewhart, a statistician. However, still of topical interest are his fourteen principles to managers. Do not miss them, if you are after more efficiency for your organisation and better quality or just interested in lean or agile management for your own good reasons.

The 5 Deadly Diseases by Dr. W.E. Deming (1984)

„Unemployment is not inevitable. Unemployment is a sign of bad management.“

„Link: Deming’s 14 Key Principles“ weiterlesen

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Konstruktiver Umgang mit Wut und Ärger (Seminarbericht)

Die Hamburger Kollegin Christel Sohnemann wurde im Sommer 2013 vom Center of Non-Violent Communication als Trainerin der ‚Gewaltfreien Kommunikation‚ (GfK) zertifiziert, dem Institut, dass Marshall B. Rosenberg selbst gründete. 2014-01-19_GfK-Seminar-Christel_2-klSeit Herbst bietet Christel nun auch offene Seminare und eine zweiwöchentliche Übungsgruppe zur gewaltfreien Kommunikation an.

Grund genug, eines ihrer offenen Wochenendseminare zu besuchen und sie als Trainerin kennenzulernen. Im Januar hieß das Thema: ‚Konstruktiver Umgang mit Wut und Ärger‘. (Christels Seminarbeschreibung)

„Konstruktiver Umgang mit Wut und Ärger (Seminarbericht)“ weiterlesen

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(Software-)Kanban zur kontinuierlichen Verbesserung (Vortrag)

Die PMI Agile Community of Practice Hamburg traf sich am 8. Oktober 2013 zum Vortragsabend beim Gastgeber it-agile in der Großen Elbstraße.

Kurz nach 18 Uhr trudelten die ersten Teilnehmer ein. Den Vortrag hatten
wir für 19 Uhr angesetzt. Und so blieb trotz des ungewohnt großen
Kreises noch gut Zeit für persönliches Kennenlernen untereinander, was
uns ja wichtig ist.

„STOP starting, START finishing!“

Arne, alias ‚Justin‘ mit der roten Krawatte, hat sich in seinem
Einführungsvortrag zu Software-Kanban auf das Einleiten von Kaizen bzw.
‚Kontinuierlichen Verbesserungsprozessen‘ fokussiert. Darum machte er zu
Beginn nochmal deutlich, dass Veränderungen üblicherweise zunächst für
Produktivitätseinbrüche sorgen, schließlich muß man sich an neue
Abläufe, Verfahren, Rollen oder was auch immer, erst einmal gewöhnen.
Dieses Phänomen drückt sich in der ‚J-curve‘ (wikipedia) aus.

Arne-Kanban_J-curve
aus der Präsentation von Dr. Arne Roock

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