Vortrag: „Die Wahrheit über CMMI“

„Die Wahrheit über CMMI“ herauszufinden, nicht weniger hatte die PMI Local Group Hamburg im Januar 2013 auf der Agenda. Microsoft in Hamburg-Bahrenfeld hieß uns als Gastgeber herzlich willkommen.

CMMI steht für Capability Maturity Model Integration; eine etwas stelzige Bezeichnung für ein unterstützendes Referenzmodell, das es längst nicht mehr nur für Entwicklungsprozesse, sondern auch für die Dienstleistungserbringung und den Einkaufsprozeß gibt. Ressourcen dazu gibt es unter: http://cmmiinstitute.com

CMMI-meet-PMI (wibas)
Wozu CMMI?

Entwickelt wurde es am Software Engineering Institute (SEI) der Carnegie Mellon University. Es bietet eine Sammlung bewährter Praktiken, die typischerweise in reifen Organisationen gefunden werden.

Referent Tom Huber (wibas GmbH) beantwortete uns geduldig und sachkundig zahlreiche Hintergrundfragen. Diese waren nicht alle unkritisch, denn viele von uns hatten in Ihrer Praxis bereits Berührung mit CMMI:

  • „Beinhaltet CMMI auch Empfehlungen zur Selektion möglicher Projekte im Rahmen des Projektportfoliomanagements?“
  • „Ist CMMI für alle Unternehmensgrößen ein hilfreicher Ansatz?“
  • „Wozu noch CMMI, wenn ich doch schon viele bewährte Praktiken und Prozesse erfolgreich implementiert habe?“
  • „CMMI leben – wie machen das die anderen?“
  • „Ist der Aufwand größer als der (evtl. kaum quantifizierbare) Nutzen?“
  • „Für mein Umfeld riecht das zu sehr nach BWL, da beginnt schon die Ablehnung“

Die Kernfrage sei bei CMMI das „Wie wird die Praktik umgesetzt bzw. wie sollte sie umgesetzt werden?“ – im Gegenzug zum oft vordergründig gefragten „Ist die Vorlage genutzt worden?“…

CMMI verzichtet also auf vorgegebene Lösungsschritte auf der Arbeitsebene des Anwenders und auf feste Prozessvorgaben für die betrachtete Organisation. Stattdessen hinterfragt CMMI anhand definierter Prozessgebiete, inwieweit die Organisation für sich grundlegende Fragen beantwortet hat und Prozesse etabliert hat, mit der sie ihr Organisationsziel zuverlässig erfüllen kann. Die zu betrachtende Organisation schafft so für sich einen sinnvollen, wiederholbaren Prozess zur verbesserten Zielerreichung.

Im Sinne der Trennung von Pflicht und Kür soll der CMMI-Anwender für seine Organisation Lösungswege zur Umsetzung der Elemente in die Praxis finden.

Die fünf CMMI „Reifegrade“ bieten dabei eine Priorisierung der anzugehenden Prozessgebiete. Faustformel: je niedriger der Reifegrad, desto grundlegender der Gewinn durch eine Beantwortung der durch das Modell gestellten Fragen und durch die Implementation der Prozessgebiete.

Inwiefern eine Zertifizierung dabei angestrebt wird oder „nur“ von den CMMI Best Practice Ansätzen profitiert wird, überlässt dieser weit verbreitete Industriestandard dem Anwender.

Unter http://www.cmmi.de bietet die wibas GmbH einen „CMMI-Browser an, über den man sich online auch auf Deutsch durch die Best Practice der Prozessgebiete klicken kann.

Beispielhaft stellte Tom Huber das Prozessgebiet „Projektplanung PP“ detailliert vor. Seiner Erfahrung nach ist der Erfolg eines Veränderungsprojektes insbesondere von der systematischen Kombination mehrere Veränderungs-, Projekt- und Management Praktiken abhängig. Diese Flexibilität des CMMI Standards ist insbesondere für die Kombination mit PMBoK und agilem Projektmanagement geeignet.

Da es bei der Implementierung jedweder Veränderung wichtig ist, die agierenden Einheiten in die Zielfindung und daraus abzuleitende Maßnahmen einzubinden, betonte Tom Huber in seinem Vortrag auch wesentliche Coaching-Regeln und Fragetechniken, z.B. die Formulierung offener „W-Fragen“ (Wie, wer, warum,…).

Die Vortragsfolien sind auch online verfügbar: http://bit.ly/10vSjyX.

Es berichteten: Astrid Beger (PMP) & Christine S. Hartmann

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