Konstruktiver Umgang mit Wut und Ärger (Seminarbericht)

Die Hamburger Kollegin Christel Sohnemann wurde im Sommer 2013 vom Center of Non-Violent Communication als Trainerin der ‚Gewaltfreien Kommunikation‚ (GfK) zertifiziert, dem Institut, dass Marshall B. Rosenberg selbst gründete. 2014-01-19_GfK-Seminar-Christel_2-klSeit Herbst bietet Christel nun auch offene Seminare und eine zweiwöchentliche Übungsgruppe zur gewaltfreien Kommunikation an.

Grund genug, eines ihrer offenen Wochenendseminare zu besuchen und sie als Trainerin kennenzulernen. Im Januar hieß das Thema: ‚Konstruktiver Umgang mit Wut und Ärger‘. (Christels Seminarbeschreibung)

Samstagmorgen ging es um 10 Uhr im Hamburger Goldbekhaus los. Welch‘ ein Glück für uns Teilnehmer: im Januar ist die Gruppe angenehm klein, was uns mehr Vertrauensraum für persönliche Anliegen verschafft. 2014-01-19_GfK-Seminar-Christel_1-klChristel hat den zweckmäßig, modernen Seminarraum mit Blick auf den Goldbekkanal mit ein paar kleinen Details in einen Wohlfühlraum verwandelt und wir sitzen im Kreis. Man duzt sich und bleibt beim Vornamen. So bleibt jedem, dem das wichtig ist, eine gewisse Anonymität gewahrt.

Für die Ankommens- und Vorstellungsrunde darf sich jede/r drei Kärtchen aus einem Stapel ziehen. Darauf sind Begriffe gedruckt, wie z.B. Freude, Unterstützung,
Erholung u.ä.; man hat zwei bis drei Minuten, sich selbst gewahr zu werden, welche Bedeutung diese Dinge für das eigene Leben haben und schildert dies dem/der GruppenpartnerIn. Ein angenehmer Einstieg für uns alle, wie sich herausstellt.

Der erste Vormittag verfliegt förmlich, während Christel uns in die Grundkonzepte der ‚gewaltfreien Kommunikation‘ einweiht. Ich hatte mich mit Erkältung und Ruhebedürfnis in das Seminar geschleppt. Tatsächlich aber schaffte es Christel selbst mit dieser Einführung, mich in den ersten Stunden zu energetisieren ohne mir große Aktivität abzuverlangen.

Wir Teilnehmer waren schon recht verschieden und aus unterschiedlichen beruflichen Umfeldern und doch sorgten Christels „Einladungen“ zu Übungen und Experimenten dafür, dass wir alle einfach nur noch Übende waren, die sich gegenseitig unterstützten.
Apropos „Einladungen“: die absolute Freiwilligkeit jedes einzelnen Kurs- und Prozessschrittes bleibt bei Christel keine Makulatur. Christel ist es wichtig, dass die GfK direkt gelebt und erlebt wird. Jede Person achtet gut darauf, was ihre Bedürfnisse sind und was sie braucht und gemeinsam schauen wir nach Wegen, die für alle passen.

Am Nachmittag wurde es dann praktisch: Teilnehmer bekamen nun die Chance, durch den Ärger-Prozess der gewaltfreien Kommunikation zu tanzen. Dazu werden die Schritte am Anfang plastisch wie Kacheln auf den Boden gelegt, wie beim Tanzenlernen. Christel geübtes Ohr und großes Herz voller Empathie verschaffte jedem „Tänzer“ Zugang zu seinen eigentlichen Bedürfnissen hinter seiner Wut,
Trauer oder Scham.

Die Idee dahinter: auf der Ebene ihrer Bedürfnisse treffen sich alle Menschen, egal wie unterschiedlich sich ihre Strategien zur Bedürfniserfüllung im Laufe ihres Lebens entwickelt haben. Eine Begegnung zwischen Menschen kann auf der Bedürnisebene erfahrungsgemäß immer stattfinden. Bedürfnisse sind universelle Qualitäten, die, wenn wir sie erleben, unser Leben bereichern. Ihre Zahl ist überschaubar und losgelöst von einer konkreten Person oder Handlung und für alle Menschen gleich – unabhängig seiner Herkunft, Kultur, Geschlecht oder was auch immer. Strategien wiederum sind die Wege, wie wir uns Bedürfnisse erfüllen, und davon gibt es nahezu unendlich viele. So existieren Konflikte immer auf Strategieebene, nicht auf Bedürfnisebene.

Und tatsächlich: jedem von uns fiel es nach dem Gewahrwerden des Bedürfnisses hinter unserem Ärger bzw. dem unseres Gegenübers, erstaunlich leicht, um ihre Erfüllung zu bitten bzw. sie zu erfüllen. Ein wichtiger Schritt, zukünftig besser für sich selbst und andere zu sorgen. Achtung, diese Reihenfolge ist wichtig: denn anderen kann ich letztlich nur helfen, wenn meine eigenen Bedürfnisse in Balance und erfüllt bleiben.

Der nächste logische Schritt ist dann das Aussprechen eines ‚Nein‘, um rechtzeitig für sich zu sorgen und erst gar keine Wut (unerfüllte Bedürfnisse) anzustauen.

Fazit

Die Trainerin lebt was sie vermittelt und genau darauf kommt es gerade bei dieser Empathielehre der gewaltfreien Kommunikation an.
Doch aufgepaßt: ähnlich wie Lean Management und Agilität sind die Prinzipien und Prozessschritte schnell erklärt und logisch aufgebaut. Dahinter steckt jedoch eine Haltung zu sich selbst und anderen Menschen gegenüber. Das macht es einerseits leicht, erste Veränderungen zu erleben und führt uns andererseits auf eine lange Reise…

P.S. Mehr zur  ‚Gewaltfreien Kommunikation‘ (GfK) bei Christels.

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